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Gesundheit im Unternehmen
7 Minuten

Krankenstand senken mit diesen 6 Maßnahmen

ofelos Redaktion

Der Krankenstand in Deutschland ist hoch und stellt Unternehmen vor wirtschaftliche und organisatorische Herausforderungen: psychische Belastungen, chronische Erkrankungen, schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende Mitarbeiterbindung spielen eine immer größere Rolle, wenn es um Fehlzeiten geht.

Gleichzeitig herrscht bei vielen Verantwortlichen Unsicherheit: Wann sind Mitarbeiter eigentlich „zu oft“ krank? Welche Fehlzeiten sind normal? Und wo sollten Unternehmen genauer hinschauen?

In diesem Artikel zeigen wir:

  • wie hoch der Krankenstand in Deutschland aktuell ist,

  • welche Ursachen hinter hohen Fehlzeiten stecken,

  • was ein hoher Krankenstand Unternehmen kostet und

  • mit welchen 6 Maßnahmen Arbeitgeber Fehlzeiten langfristig senken können!

Krankenstand in Deutschland aktuell

Der Krankenstand in Deutschland ist seit Jahren auf einem hohen Niveau. Je nach Auswertung unterscheidet sich die Fehlzeiten-Bilanz leicht. Zahlen des WIdO zeigen: Beschäftigte waren im Jahr 2025 durchschnittlich 23,3 Tage krankgeschrieben.

Diagramm der durchschnittlichen Krankheitstage von AO-Versicherten von 2016 bis 2025 (WIdO)In den letzten Jahren ist ein leicht rückläufiger Trend sichtbar, nach einem großen Sprung in 2022. Doch wie ist dieser extreme Anstieg überhaupt zu erklären?

Warum Fehlzeiten seit 2022 deutlich gestiegen sind

Auf den ersten Blick bekommt man den Eindruck, dass Mitarbeiter seit 2022 deutlich häufiger krank sind als in den Jahren zuvor – doch die Zahlen trügen. Denn: Ein signifikanter Teil des Anstiegs lässt sich durch die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) erklären, die automatisch von Arztpraxen an die Krankenkassen übermittelt werden. Vorher mussten Beschäftigte ihre Krankschreibungen selbst an die Krankenkasse schicken; gerade kurze Erkrankungen wurden dadurch häufig nicht vollständig erfasst.

Gleichzeitig beobachten Krankenkassen seit der Corona-Pandemie aber tatsächlich mehr akute Atemwegserkrankungen. Arztpraxen behandeln heute also wieder häufiger solche Infekte als während der Pandemie.

Die häufigsten Krankheiten in Deutschland

Arbeitgeber können bei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen nicht einsehen, weshalb ihre Mitarbeiter ausfallen – umso interessanter ist ein Blick auf die häufigsten Krankheitsbilder, wegen denen sich die Deutschen krankschreiben lassen. Hier die Top 3:

  1. Atemwegserkrankungen (80 Fälle pro 100 Mitglieder)

  2. Muskel-Skelett-Erkrankungen (40 Fälle pro 100 Mitglieder)

  3. Verdauungserkrankungen (19 Fälle pro 100 Mitglieder)

Betrachtet man jedoch die Krankheiten mit den längsten Fehlzeiten, dann führen psychische Erkrankungen das Ranking an – zwar treten diese nur bei 14 von 100 Mitgliedern auf, sorgen dann jedoch für durchschnittlich 28,5 Ausfalltage. Solche Langzeiterkrankungen machen nur 3,3 % aller Krankheitsfälle aus, verursachen dabei aber über 40 % aller Krankheitstage. (Quelle 1)

Wann ist ein Arbeitnehmer zu oft krank?

Rund um Krankentage und Fehlzeiten stellt sich für Führungskräfte und Personalmanager natürlich die Frage: Wann ist mein Mitarbeiter überhaupt zu oft krank? Leider lässt sich das nicht pauschal beantworten.

Wirft man einen Blick auf die durchschnittliche Anzahl der krankheitsbedingten Fehltage in Deutschland, dann scheint die Antwort zu sein: ab 24 Tagen sind Mitarbeiter zu oft krank – sofern man „zu oft“ als „überdurchschnittlich oft“ definiert. Doch dieser Blickwinkel wäre nicht fair. Denn die Krankenquote schwankt je nach Branche deutlich, und muss daher individueller betrachtet werden.

Zwei Branchenbeispiele hierzu:

  • Bei Mitarbeitern in der Altenpflege sind die Fehltage besonders hoch: 2024 lagen sie bei durchschnittlich 38,7 Tagen pro Person. Was bedeutet das für die Fragestellung? Ein „zu oft“ wäre wohl ab 39 Tagen erreicht.

  • Im Gegensatz dazu fehlten Arbeitnehmer in Lehr- und Forschungstätigkeiten an Hochschulen nur 8,2 Tage im Jahr 2024. Hier läge ein auffälliger Wert also bereits bei 9 Tagen – doch würden die meisten Menschen wohl sagen, dass 9 Fehltage nicht allzu viel sind.

Es ist daher schwer auszumachen, wann Mitarbeiter zu oft krank sind. Nicht nur unterscheiden sich die Werte nach Branchen, zusätzlich ist es ein sehr individuell wahrgenommener Parameter. Grundsätzlich sollten Arbeitgeber aber vor allem dann aufmerksam werden, wenn:

  • häufige Kurzzeiterkrankungen auftreten,

  • Krankmeldungen regelmäßig rund um Wochenenden oder Feiertage erfolgen oder

  • Fehlzeiten plötzlich stark ansteigen.

Gründe für hohen Krankenstand

Wenn es um krankheitsbedingte Fehlzeiten geht, dann schwingt oft auch eine andere Interpretation mit: Sind die Mitarbeiter wirklich so oft krank – oder haben sie einfach keine Lust zu arbeiten? Ganz klar ist: Hohe Fehlzeiten entstehen nicht nur durch akute Erkrankungen. Auch schlechte Arbeitsbedingungen, Stress oder mangelnde Mitarbeiterbindung gehören zu den Gründen für hohen Krankenstand.

Die Ursachen für Fehlzeiten lassen sich auf drei Ebenen verteilen:

  1. Individuelle Gesundheit

  2. Arbeitsbedingungen

  3. Unternehmenskultur

Was bedeutet das für Arbeitgeber?

Die individuelle Gesundheit beschreibt die persönlichen gesundheitlichen Voraussetzungen eines Mitarbeiters, z. B. durch akute Infekte, psychische Belastungen oder chronische Erkrankungen. Tatsächlich leiden rund 45 % der Deutschen an mindestens einer chronischen Erkrankung. Gleichzeitig steigen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen seit Jahren deutlich an.

Auch Umweltfaktoren wie Hitze, Allergien oder neue Infektionsrisiken beeinflussen die Gesundheit zunehmend, wenngleich die Zahlen nicht darauf hinweisen, dass die Deutschen immer häufiger krank sind. Trotzdem: Wenn sich ein Mitarbeiter ständig krankmeldet, dann ist es leider definitiv möglich, dass die Person auch wirklich ständig krank ist.

Wichtig ist aber auch: Stimmen Arbeitsbedingungen oder Unternehmenskultur nicht, dann kann auch das zu Krankheiten führen, wie Kopfschmerzen wegen fehlender ergonomischer Ausstattung oder psychischen Herausforderungen durch belastende Führungsstrategien.

Die Arbeitsbedingungen haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Hohe Arbeitsbelastung, Schichtarbeit, fehlende Erholung oder schlechte ergonomische Bedingungen können langfristig zu körperlichen oder psychischen Beschwerden und so zu einem Grund für hohen Krankenstand führen – gerade durch Rücken- oder Nackenschmerzen oder Stresssymptome.

Ebenso entscheidend ist die Unternehmenskultur. Schlechte Führung, fehlende Wertschätzung oder dauerhafter Leistungsdruck wirken sich direkt auf Motivation, Zufriedenheit und Fehlzeiten aus. Studien zeigen: Mitarbeiter mit hoher emotionaler Bindung an das Unternehmen fehlen 73 % weniger als solche mit einer geringen Bindung (Quelle 3). Ohne emotionale Bindung kann es also tatsächlich so wirken, als wären Mitarbeiter ständig krank.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer den Krankenstand nachhaltig senken möchte, darf Fehlzeiten nicht nur als individuelles Gesundheitsproblem betrachten. Häufig sind sie auch ein Hinweis darauf, dass Arbeitsbedingungen oder Unternehmenskultur verbessert werden müssen.

Was kostet ein kranker Mitarbeiter für Arbeitgeber?

Ein hoher Krankenstand hat auch wirtschaftlich eine enorme Bedeutung. So zahlten Unternehmen im Jahr 2024 rund 72,1 Mrd. Euro für Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (Quelle 2). Hinzu kommen indirekte Kosten durch:

  • Produktivitätsverluste,

  • Mehrbelastung im Team,

  • Fehler und Arbeitsunfälle,

  • organisatorischen Mehraufwand und

  • sinkende Mitarbeiterzufriedenheit.

Schätzungen zufolge entstehen für Unternehmen pro Mitarbeiter jährlich rund 2.400 € durch krankheitsbedingte Produktivitätsverluste und Folgeeffekte (Quelle 3). Der Krankenstand ist deshalb nicht nur ein HR-Thema, sondern auch ein Kostenfaktor.

Krankenstand senken: 6 Maßnahmen für Arbeitgeber

Welche Maßnahmen gibt es nun, um Fehlzeiten zu reduzieren, wenn Mitarbeiter oft krank sind? Die 6 wichtigsten Strategien zeigen wir Ihnen jetzt!

1. Fehlzeiten systematisch analysieren

Wir haben es bereits gesehen: Wie viele Fehlzeiten zu viele sind, das ist eine sehr individuelle Einschätzung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Maßnahmen nicht basierend auf einem Gefühl eingesetzt werden, sondern auf Daten basieren. Konkret heißt das, dass Arbeitgeber regelmäßig die Fehlzeiten der Mitarbeiter auswerten müssen, um Trends im Krankenstand zu erkennen.

Hilfreiche Fragen sind hierbei:

  • Gibt es Teams mit besonders hohen Fehlzeiten?

  • Treten viele Kurzzeiterkrankungen auf?

  • Steigen die Fehlzeiten in bestimmten Abteilungen?

2. Prävention fördern mit betrieblicher Krankenversicherung

Prävention ist eines der wichtigsten Instrumente, um die Gesundheit langfristig aufrecht zu erhalten und den Krankenstand zu senken. Denn: 76 % der krankheitsbedingten Ausfälle durch chronische Erkrankungen können durch Prävention verhindert werden (Quelle 3). Viele Beschwerden verschlimmern sich, weil Mitarbeiter Vorsorgebehandlungen aufschieben, häufig aus Zeit- oder Kostengründen.

Eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) kann hier unterstützen, etwa durch:

  • Schnellere Facharzttermine – damit Beschwerden früher behandelt werden und Mitarbeiter schneller wieder arbeitsfähig sind.

  • Kostenübernahme von Vorsorgeuntersuchungen – die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht bezahlt werden.

  • Erstattung einer neuen Brille – wodurch Kopf- oder Nackenschmerzen durch falsche Sehstärken reduziert werden können.

  • Zuschüsse für Zahnbehandlungen und professionelle Zahnreinigungen – um Beschwerden frühzeitig vorzubeugen.

  • Massagen, Physiotherapie oder Osteopathie – damit Rücken- und Muskelbeschwerden schnell gelöst werden.

  • und viele weitere Präventions- und Gesundheitsangebote.

Die bKV unterstützt Mitarbeiter damit nicht nur im Krankheitsfall, sondern trägt auch dazu bei, gesundheitliche Beschwerden frühzeitig zu erkennen und langfristige Ausfälle zu vermeiden. Für Unternehmen ist die bKV ein sinnvolles Basis-Benefit, um die körperliche und psychische Gesundheit zu unterstützen, das zugleich nachweislich zu höherer Mitarbeiterbindung führt – und damit zu weniger Fehlzeiten.

Möchten Sie erfahren, was Ihnen die betriebliche Krankenversicherung (bKV) in Ihrem Team bringen könnte? Dann finden Sie es hier heraus:

3. Psychische Gesundheit fördern

Durch eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist dieser Aspekt häufig bereits abgedeckt. Wenn Arbeitgeber hier aber noch weiter ergänzen wollen, dann ist auch das möglich und sehr sinnvoll. Denn psychische Erkrankungen gehören inzwischen zu den häufigsten Ursachen für lange Fehlzeiten – hier muss also investiert werden, um den Krankenstand zu senken.

Unternehmen können beispielsweise:

  • Zertifizierte Gesundheitskurse zu Stressmanagement finanzieren

  • Eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) mit Mental Health-Fokus abschließen

  • Führungskräfte zu für psychische Belastungen sensibilisieren

4. Flexible Arbeitszeiten ermöglichen

Starre Arbeitszeiten erhöhen in vielen Unternehmen den Stress. Flexible Arbeitsmodelle helfen Mitarbeitern, Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren, und senken so langfristig auch den Krankenstand.

Besonders hilfreich sind:

  • Flexible Start- und Endzeiten

  • Homeoffice-Möglichkeiten und hybride Arbeitsmodelle

  • Individuelle Lösungen bei familiären Belastungen

5. Ergonomische Arbeitsplätze schaffen

Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen zählen zu den Symptomen, unter denen wohl die wenigsten Arbeitnehmer nicht leiden. Um das zu vermeiden sollten Unternehmen prüfen:

  • Sind Arbeitsplätze ergonomisch eingerichtet?

  • Gibt es höhenverstellbare Schreibtische?

  • Werden regelmäßige Bewegungspausen gefördert?

Schon kleine Veränderungen können körperliche Beschwerden langfristig reduzieren.

6. Führungskräfte für Gesundheit sensibilisieren

Führungskräfte haben großen Einfluss auf Motivation, Belastung und Fehlzeiten im Team. Werden Überlastung oder Konflikte zu spät erkannt, steigen Fehlzeiten oft langfristig an. Führungskräfte sollten deshalb lernen:

  • Warnsignale frühzeitig zu erkennen,

  • regelmäßige Gespräche zu führen,

  • realistische Arbeitsbelastungen zu planen und

  • Mitarbeiter wertschätzend zu führen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Krankenstand in Deutschland liegt weiterhin auf einem hohen Niveau: Durchschnittlich waren Beschäftigte 2025 rund 23,3 Tage krankgeschrieben.

  • Besonders lange Fehlzeiten entstehen durch psychische Erkrankungen und chronische Beschwerden.

  • Wann Mitarbeiter „zu oft“ krank sind, lässt sich nicht pauschal beantworten, da sich Fehlzeiten je nach Branche stark unterscheiden.

  • Hohe Fehlzeiten entstehen nicht nur durch Krankheiten selbst, sondern oft auch durch Stress, schlechte Arbeitsbedingungen oder mangelnde Mitarbeiterbindung.

  • Ein hoher Krankenstand verursacht erhebliche Kosten durch Produktivitätsverluste, Mehrbelastung im Team und Entgeltfortzahlung.

  • Unternehmen können Fehlzeiten unter anderem durch Prävention, flexible Arbeitsmodelle, ergonomische Arbeitsplätze, gesundheitsorientierte Führung und betriebliche Krankenversicherung (bKV) reduzieren.

  • Wer den Krankenstand nachhaltig senken möchte, sollte Fehlzeiten nicht nur verwalten, sondern ihre Ursachen systematisch analysieren.

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