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Mitarbeiterbindung
Lesezeit: 5 Minuten

Job Hopping, Job Hugging und die neue Vorsicht am Arbeitsmarkt

ofelos Redaktion
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Job Hopping war lange ein dominierendes Schlagwort: ambitionierte Mitarbeiter, schnelle Wechsel, steigende Gehälter. Nun rückt Job Hugging in den Vordergrund – das bewusste Bleiben aus Sicherheitsgründen. Gleichzeitig zeigt die aktuelle XING-Wechselwilligkeitsstudie: Die Wechselbereitschaft ist so niedrig wie nie, doch echte Zufriedenheit ist keineswegs flächendeckend hoch.

Für Arbeitgeber entsteht damit eine neue Lage. Weniger Kündigungen bedeuten nicht automatisch stärkere Bindung. Wer die aktuellen Zahlen richtig einordnet, erkennt: Stabilität am Arbeitsmarkt ist derzeit vor allem ein Ausdruck von Vorsicht, nicht zwingend von Begeisterung.

Lachende Frau sitzt im Schneidersatz auf dem Boden und umklammert ihren Laptop mit beiden Armen.

Was bedeutet Job Hopping?

Der Begriff Job Hopping existiert bereits seit den 2000er Jahren und kommt ursprünglich aus den USA. Der Trend beschreibt regelmäßige Jobwechsel, die häufig vor allem in der Generation des Millennials beobachtet werden. Mittlerweile hat es Job Hopping sogar in den Duden geschafft und wird hier mit „häufiger Stellenwechsel [mit dem Ziel des Karrieremachens]“ beschrieben – und genau das ist der Kern.

Die sogenannten Job Hopper wechseln meist nach unter einem bis maximal zwei Jahren ihren Arbeitgeber – und das immer wieder. Die Gründe für dieses Verhalten können unterschiedlich sein, häufig ist es eine Kombination aus verschiedenen Faktoren.

Welche Gründe gibt es für Job Hopping?

Gehalt ist einer der wichtigsten Auslöser für Job Hopping, und das nicht ohne Grund. So bringt ein freiwilliger Jobwechsel in Deutschland durchschnittlich 30 % mehr Gehalt, wie eine Studie vom McKinsey Global Institute zeigte.

Außerdem ist Unzufriedenheit am Arbeitsplatz ein häufiger Grund für Job Hopping, z. B. wegen zu langen Arbeitszeiten, mitarbeiterunfreundlichen Richtlinien oder Stress. Viele Mitarbeiter wiederholen Job Hopping dann immer wieder, weil sie keinen Arbeitsplatz finden, mit dem sie vollkommen zufrieden sind und an dem sie bleiben möchten.

Frauen, Männer, jung oder alt – wer wechselt am häufigsten?

Bekanntermaßen gehören die meisten Job Hopper der Generation der Millennials an und sind demnach zwischen 1980 und 1995 geboren. Ein wissenschaftlicher Artikel der Atlantic Press zeigte außerdem, dass Menschen seltener Job Hopping betreiben, je älter und je höher gebildet sie sind. Betrachtet man junge Arbeitnehmer, dann zeigt sich: Frauen wechseln häufiger den Job als Männer.

Junge Frau trägt leere Ordner.

Die 5 Bullshit-Job-Typen und wie Führungskräfte sie vermeiden

Was ist Job Hugging?

Job Hugging ist das genaue Gegenteil von Job Hopping und ein Begriff, der erst in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen hat. Er beschreibt das Phänomen, dass Mitarbeiter beharrlich an ihrem aktuellen Arbeitsplatz festhalten, obwohl sie unzufrieden sind. Häufig ist die innere Wechselbereitschaft zwar hoch, doch der Wechsel ist nicht möglich, z. B. aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit.

Ein Markt voller Job Hugger?

Mitte 2025 wurde Job Hugging besonders heiß diskutiert, weil sich der Arbeitsmarkt in einigen Branchen verstärkt zu einem Arbeitgebermarkt entwickelte und die Arbeitslosigkeit stieg – zuletzt auf 6,8 % (das entspricht fast 3 Mio. Deutschen) und damit auf einen Wert, der das letzte Mal im Jahr 2016 vorkam (Destatis).

Auf den sozialen Netzwerken wie LinkedIn und Reddit tauchen vermehrt Erfahrungsberichte über lange Arbeitslosigkeit, fehlende Jobmöglichkeiten oder schwierige Bewerbungsprozesse auf. Von einer Massenarbeitslosigkeit oder zahlreichen Massenentlassungen ist der Markt zwar noch weit entfernt, aber in vielen Branchen ist die Entwicklung spürbar.

Besonders stark veränderte sich der Arbeitsmarkt zuletzt in den Bereichen Informationstechnik und Kommunikationstechnologie. Hier stieg die Arbeitslosigkeit zu März 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 30 % an, das zeigten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Auch in den Bereichen Produktion, technische Entwicklung, Fahrzeugtechnik und im Marketing wuchsen die Zahlen rasant.

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Neue XING-Studie: Nicht wechselbereit, aber auch nicht so recht zufrieden

Doch Job Hopping oder Job Hugging hin oder her – wie geht es den Arbeitnehmern in Deutschland? Das zeigt die Wechselwilligkeitsstudie 2026 von XING und forsa.

Sicherheit geht vor

Die Wechselbereitschaft in Deutschland ist auf 34 % gesunken – das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Langzeitstudie. Bedeutet das, dass die deutschen Arbeitnehmer trotz Krisen zufrieden sind? Leider nein.

In der Umfrage bezeichnen sich jeder zweite Teilnehmer als eher zufrieden mit seiner aktuellen Tätigkeit. 16 % sind unzufrieden. Nur 35 % sind sehr zufrieden. Im Klartext heißt das: Die Mehrheit ist zwar moderat zufrieden, doch nur ein Teil ist von seinem Job wirklich begeistert. Trotzdem ist die Wechselbereitschaft so niedrig wie nie zuvor. Ist das nicht ein Widerspruch?

Der in der XING-Studie zitierte Arbeitsmarkt- und Karriere-Experte Bastian Hughes ordnet diese Zahlen ein:

Viele Menschen bewerten ihre berufliche Situation aktuell weniger danach, ob sie ideal oder erfüllend ist, sondern danach, wie stabil, berechenbar und tragfähig sie erscheint. […] Die Ergebnisse der Studie lassen sich daher weniger als Ausdruck klassischer Zufriedenheit lesen, sondern als bewusste Form der Risikosteuerung. Für viele Beschäftigte ist das Bleiben aktuell die bessere Entscheidung.

Sicherheit ist also aktuell ein großes Thema für Beschäftigte: 8 von 10 entscheiden sich in der direkten Gegenüberstellung für Arbeitsplatzsicherheit statt Karrierechancen. 58 % würden sich für einen sicheren, wenn auch weniger spannenden Job entscheiden, gegenüber einem attraktiveren, aber unsicheren Angebot. Auch nennen 64 % Jobsicherheit als Hauptgrund, weshalb sie bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bleiben.

Was bedeutet das für Arbeitgeber?

Die Entwicklung der Mitarbeiterbindung wirkt für Arbeitgeber aktuell positiv – doch sie entsteht aus Vorsicht und nicht aus Überzeugung. Viele Mitarbeiter entscheiden sich gegen die Jobsuche und für Job Hugging, weil sie sich unsicher fühlen und der Markt sich verändert.

Das ist ein großer Unterschied zu einer echten hohen Mitarbeiterbindung, denn: Sobald sich die wirtschaftliche Lage entspannt, kann aus Job Hugging schnell wieder Job Hopping werden. Wer dann keine echten Bindungsfaktoren geschaffen hat, verliert seine Leistungsträger schneller als gedacht. Attraktive Benefits, transparente Entwicklungsperspektiven und eine gesunde Unternehmenskultur sind deshalb Maßnahmen, an denen Arbeitgeber auch jetzt nicht sparen sollten.

Tipp: Wenn Sie mehr über Mitarbeiterbindung in der Pflegebranche erfahren möchten, dann lesen Sie doch mal diesen Artikel. Unsere Expertin Gabriella Braghini gibt Ihnen dort 5 konkrete Maßnahmen an die Hand, wie Sie die Bindung Ihrer Mitarbeiter erhöhen können.

Hinzu kommt: Zufriedenheit ist ein essentieller Faktor. Studien zeigen immer wieder, dass glückliche Mitarbeiter produktiver, loyaler und seltener krank sind. Und genau daran hapert es aktuell bei vielen. Denn die Mehrheit ist nur moderat zufrieden, aber nicht wirklich engagiert.

Das Wichtige in Kürze

  • Job Hopping beschreibt gezielte und häufige Stellenwechsel von Arbeitnehmern, um Karriere- und Gehaltschancen aktiv zu verbessern.

  • Job Hugging ist das Gegenteil: Der Begriff steht für das bewusste Festhalten am aktuellen Arbeitsplatz, allerdings häufig aus Sicherheitsbedürfnis und nicht aus Überzeugung.

  • Die Wechselwilligkeitsstudie 2026 von XING zeigt: Die Wechselbereitschaft in Deutschland ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr.

  • Doch die Zahlen sind vor allem Ausdruck von Vorsicht und Risikosteuerung, nicht zwingend von starker Mitarbeiterbindung. Sobald sich die wirtschaftliche Lage entspannt, kann die aktuell unterdrückte Wechselbereitschaft schnell zurückkehren – und sich von Job Hugging zu Job Hopping entwickeln.

  • Unternehmen sollten die Phase der Ruhe nutzen, um Zufriedenheit, Entwicklungsmöglichkeiten und attraktive Benefits auszubauen, damit Mitarbeiter auch dann bleiben, wenn sie wieder gehen könnten.

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