Hybride Führung: Tipps für gesunde und glückliche Mitarbeiter im Homeoffice und Büro
“Wir erstellen redaktionelle Inhalte für Ihre HR-Praxis. Fundiert recherchiert, auf aktueller wissenschaftlicher Evidenz basierend und kritisch eingeordnet.”
Homeoffice bringt viele Vorteile mit sich: kein Pendeln, mehr Flexibilität, bessere Vereinbarkeit. Das Arbeitsmodell veränderte in den letzten Jahren die Realität zahlreicher Arbeitnehmer fundamental – doch es bringt auch ganz neue Herausforderungen mit sich.
Studien zeigen, dass das reine Arbeiten von zuhause verstärkt zu körperlichen und mentalen Belastungen führen kann. Gleichzeitig deuten aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass ein klug gestaltetes hybrides Modell die Gesundheit und Produktivität steigern kann.
Doch was ist der beste Mix aus Homeoffice und Büro? Und wie müssen Führungskräfte und Unternehmen hybride Arbeit gestalten, damit sie nachhaltig gesund und leistungsfördernd ist? Alle Infos gibt's in diesem Artikel!
Gesundheit im Homeoffice: Das sagt die Studienlage
Der Homeoffice-Boom durch die Corona-Pandemie brachte Arbeitnehmern eine ganz neue Form der Flexibilität – doch dem Arbeiten von zuhause stehen auch Nachteile gegenüber. So kann sich das Homeoffice nachweislich negativ auf die körperliche und mentale Gesundheit auswirken. Eine Umfrage zeigte, dass Mitarbeiter, die vorrangig von zuhause arbeiten, häufiger unter Schmerzen (wie Rücken- oder Kopfschmerzen), Erkältungen, Verdauungsproblemen und mentalen Gesundheitsbeschwerden leiden als Personen, die vor Ort arbeiten.
Doch wie sieht es aus, wenn man beides kombiniert?
Hybrid macht glücklich und gesund
Das hybride Arbeitsmodell verbindet die Vorteile des Arbeitens im Homeoffice mit denen des Büros – und das zeigt sich auch in dem Gesundheitszustand der Mitarbeiter.
Laut einer Studie der International Workplace Group berichten zwei Drittel der hybrid Arbeitenden von einer verbesserten körperlichen Verfassung. Sie integrieren mehr Bewegung in ihren Alltag, schlafen besser und empfinden weniger Stress. Eine vollständige Rückkehr ins Büro hingegen sehen die meisten kritisch: 76 % erwarten in diesem Fall negative Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden.
Lust auf neue HR-Impulse?
Dann melden Sie sich für unseren „Work Healthy”-Newsletter an!
20 % mehr Produktivität im hybriden Modell
Nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Produktivität steigt im hybriden Arbeitsmodell nachweislich. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass die Produktivität im Homeoffice um 20 % ansteigt – allerdings nur bis zu einem Homeoffice-Anteil von 60 %, also an max. 3 Tagen pro Woche. Auch im Sinne der Produktivität scheint das hybride Modell also vorteilhaft zu sein.
Hybride Führung: Tipps für gesunde und glückliche Mitarbeiter
Wenngleich sich das hybride Arbeitsmodell grundsätzlich positiv auf die Gesundheit (und die Produktivität) der Mitarbeiter auswirkt, spielen Führungskräfte und die gelebte Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle dabei, wie sehr die Teammitglieder wirklich profitieren.
Denn im Vergleich zu einem reinen Vor-Ort-Team verändert sich die Art der Zusammenarbeit grundlegend. Die Kommunikation findet nicht mehr automatisch im Büro statt, Abstimmungen müssen bewusster geplant werden und soziale Nähe entsteht nicht mehr nebenbei. Vertrauen wird im Homeoffice zur Basis der Zusammenarbeit.
Wer hybride Teams erfolgreich führen möchte, braucht deshalb eine Kultur, die sowohl im Büro als auch remote funktioniert – mit klaren Regeln, offenen Kommunikationswegen und einem echten Fokus auf Gesundheit und Wohlbefinden. Im Folgenden finden Sie konkrete Tipps, wie Sie hybride Führung so gestalten, dass Ihre Mitarbeiter gesund, motiviert und zufrieden bleiben!
Homeoffice: Grenzen, Rituale und soziale Nähe fördern
Das Homeoffice eignet sich für viele Mitarbeiter besonders gut für eigenständiges Arbeiten und Fokus. Doch das ist nicht immer möglich – Slack-Nachrichten, spontane Calls oder Kundentermine können diese Zeiten stören. Auch kann die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit schwerer fallen, weil die natürliche räumliche Trennung fehlt. Dazu kommt: Weniger Austausch zwischen den Kollegen, weil der Gang zur Kaffeemaschine oder das gemeinsame Mittagessen fehlt.
Um diese Probleme zu reduzieren, helfen folgende Tipps:
Führungskräfte sollten einige Regeln festlegen, die für alle Teammitglieder gelten, um Fokuszeiten zu schützen und das Abschalten nach dem Arbeitstag zu erleichtern. Ein paar Ideen:
Meetingfreier Nachmittag: Ein Nachmittag pro Woche, an dem garantiert keine Meetings stattfinden – sowohl im Team als auch extern.
Deep-Work-Zeiten: Feste Kalender-Blöcke für das ganze Team, z. B. Dienstag und Donnerstag von 9-11 Uhr. Hier werden keine Mails verschickt oder Nachrichten geschrieben, um die Kollegen nicht zu unterbrechen.
Kommunikationsregeln klären: Wer ruft lieber schnell mal an, wer klärt Kleinigkeiten eher im Chat? Eine kurze Umfrage und ein klarer Teams-Status (z. B. „Text First“) führt dazu, dass alle arbeiten können, wie sie es gerne mögen.
Grenzen festlegen: Führungskräfte müssen Grenzen festlegen und auch vorleben, z. B. keine Slack-Nachrichten und Mails nach 18 Uhr. Damit das Abschalten im Homeoffice wirklich klappt.
Remote kann einsam machen – gerade, wenn einige Wochen ohne gemeinsame Präsenztage verstreichen. Führungskräfte können aktiv dafür sorgen, dass Austausch stattfindet und niemand abtaucht:
Coffee-Talk am Mittag: Ein virtueller Coffee-Talk einmal pro Woche – wer Lust hat, wählt sich ein. Manchmal ist’s das ganze Team, manchmal nur zwei Kollegen!
Virtual Lunch Club: Ähnliches Prinzip, aber zum Mittagessen. Mit aus- oder eingeschalteter Kamera kann einfach beim gemeinsamen Lunch gequatscht werden.
Daily 10-Minutes: Jeden Morgen hat jeder genau eine Minute Zeit, um seine wichtigsten Themen für den Tag zu nennen – nicht mehr und nicht weniger.
1:1-Stand-Ups: Alle zwei Wochen findet zwischen der Führungskraft und jedem Mitarbeiter ein persönlicher Austausch statt.
Team-Only-Calls: Auch (virtuelle) Treffen ohne die Führungskräfte gehören zum kollegialen Zusammenhalt dazu. Manager sollten ihre Teams genau hierzu motivieren!
Thematische Team-Chats: Für den privaten Austausch über Rezepte, Sport oder Serien – das kommt im Homeoffice oft zu kurz!
Rituale geben Halt, Struktur und setzen kleine Highlights im Alltag. Sie müssen leicht sein und dürfen niemanden überfordern:
Feierabend „Good News“ am Freitag: Führungskraft teilt „Good News“ im Slack-Chat und alle ergänzen ihre eigenen.
Team-Challenges: 5.000 Schritte bis zum Mittag, 3 Gläser Wasser am Tag, Pomodoro-Sprints – immer ehrlich vorgelebt von der Führungskraft, inklusive „heute lief’s bei mir nicht“.
Song of the Week: Jeder darf freitags seinen Motivationssong posten, daraus entsteht eine gemeinsame Spotify-Playlist.
Healthy Lunch Share: Kurz ein Bild des Mittagessens teilen – dann ist man beim Lunch gleich ein bisschen weniger alleine!
Midday Reset Call: 5 Minuten Stretch oder Mini-Workout, gerne mit ausgeschalteter Kamera – wer will, macht mit!
Büro: Bewegung, Austausch und soziale Nähe
Auch im Büro gibt es Potenzial zur Verbesserung. Homeoffice kann schnell zu Isolation führen – umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte die gemeinsame Zeit im Büro aktiv gestalten, indem sie soziale Rituale schaffen und das Gemeinschaftsgefühl fördern.
Manchmal entstehen diese Rituale ganz von selbst, manchmal müssen Führungskräfte nachhelfen – und sollten es auch tun, um das Gemeinschaftsgefühl zu fördern! Ein paar Ideen:
Gemeinsam Mittagessen kochen: So entstehen entspannte Gespräche abseits der Arbeit. Das fördert die Gemeinschaft.
Tages-Check-in: Jeder teilt morgens in einem kurzen Termin in einer Minute, was heute bei ihm im Fokus steht.
Coffee Talk am Nachmittag: Termin für einen lockeren Kaffee ohne Agenda.
Musik-Dienst: Jede Woche darf jemand anderes eine Playlist aussuchen, die an den Office-Tagen läuft.
Walking Lunch oder Reset-Spaziergang: Bewegung und frischer Kopf zum Ausgleich.
Bürotage eignen sich perfekt, um lange Sitzphasen zu unterbrechen. Bewegung wirkt wie ein Frischekick: Kreislauf hoch, Konzentration rauf, Ideen fließen besser. Einige Formate:
Walk & Talk: 1:1-Gespräche oder Status-Updates beim Spazieren statt im Meetingraum.
Outside-Brainstorming: Flipchart oder Notizen in die Hand und eine Session an die frische Luft verlegen.
Stretch-Pausen: 5 Minuten Stretching zwischen Meetings.
Vor-Ort-Zeit ist wertvoll und sollte echten Mehrwert bieten. Keine Solo-Aufgaben, die auch zuhause erledigt werden können. Präsenztage müssen bewusst auf Kollaboration, Austausch und Teamenergie ausgerichtet sein.
Beispiele:
Team-Weeklys oder Projekt-Workshops gezielt ins Büro legen.
Entscheidungen gemeinsam treffen: Diskussionen, die remote im Kreis laufen würden, hier effizient abschließen.
Kreativarbeit: Ideen-Entwicklung am Whiteboard, statt jeder für sich vor dem Bildschirm.
Wichtig: Diese Logik funktioniert nur, wenn Präsenztage reduziert sind (z. B. 2 pro Woche). Wer 4 Tage im Büro hängt, verliert den Effekt – dann wird der Office-Tag zur Routine.
Best Practices: So macht es Airbnb
Airbnb gibt mit seinem hybriden Arbeitsmodell einen ganz neuen spannenden Impuls: Eine Woche pro Monat arbeiten alle Mitarbeiter zusammen vor Ort, die restliche Zeit remote. Manche Mitarbeiter sind alle 5 Tage im Headquarter in San Francisco, andere nur drei Tage.
Das führt zu einer interessanten Mischung: In der „Office-Woche“ kann intensiver Austausch entstehen – durch Workshops, Kreativsessions und soziale Nähe. In den restlichen drei Wochen können Mitarbeiter hochflexibel von überall arbeiten.
Der Effekt: Maximale Freiheit mit gleichzeitig starken Bindungsmomenten. Viele Mitarbeiter haben San Francisco inzwischen als Lebensort sogar verlassen, weil sie nur noch einmal im Monat anreisen müssen.
Das Beispiel zeigt: Hybridarbeit kann ganz unterschiedlich aussehen und kennt keine festen Grenzen.
Das Wichtigste in Kürze
Das Arbeiten aus dem Homeoffice erhöht laut Studien das Risiko für körperliche Beschwerden und mentale Belastung – Mitarbeiter leiden zuhause stärker als im Büro.
Hybride Modelle hingegen zeigen die besten Effekte auf Gesundheit, Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit.
Sogar die Produktivität steigt nachweislich um bis zu 20 % bei ca. 3 Homeoffice-Tagen pro Woche.
Doch auch die hybride Führung muss stimmen: klare Regeln, soziale Nähe und sinnvolle Präsenzgestaltung sind Pflicht, damit die Mitarbeiter gesund und glücklich sind