Post-Holiday-Syndrom: So verhindern Sie das Stimmungstief nach dem Urlaub
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Der Urlaub ist vorbei, der erste Arbeitstag steht an – und statt Motivation macht sich ein Stimmungstief breit. Dieses Phänomen nennt sich „Post-Holiday-Syndrom“ und betrifft viele Mitarbeiter insbesondere im Januar nach den Weihnachtsferien. Viele Mitarbeiter fühlen sich nach der Rückkehr müde, lustlos und überfordert. Das ist nicht nur für sie selbst belastend, sondern kann auch die Stimmung und Produktivität im Team negativ beeinflussen.
Führungskräfte sollten das im Blick haben und vorbereitet sein. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie das Post-Holiday-Syndrom erkennen und Ihren Mitarbeitern mit konkreten Maßnahmen den Wiedereinstieg erleichtern!
Was ist das „Post-Holiday-Syndrom“?
Kaum ist der Urlaub vorbei, fühlen sich viele Mitarbeiter statt erholt plötzlich müde, lustlos und überfordert. Dieses Phänomen trägt den Namen „Post-Holiday-Syndrom“.
„Post-Holiday-Syndrom“: Definition
Das „Post-Holiday-Syndrom“ (auch „After Holiday Syndrom“, „Urlaubsblues“, „Post-Holiday-Blues“ oder sogar „Urlaubsdepression“) beschreibt ein temporäres Stimmungstief nach dem Urlaub. Insbesondere an den ersten Arbeitstagen nach den Ferien fühlen sich Betroffene müde, antriebslos und demotiviert, und haben mitunter Schwierigkeiten, wieder vollständig in ihren Job zu finden.
Warum ist man nach dem Urlaub traurig?
Eine Umfrage zeigt: Fast 9 von 10 Arbeitnehmern empfinden Unbehagen bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer Erholungsphase. Doch warum fühlt man sich nach dem Urlaub so komisch? Der Hauptgrund liegt im harten Kontrast zwischen Urlaubsmodus und Arbeitsalltag. Während im Urlaub Stresshormone heruntergefahren werden und der Körper in Entspannung schaltet, wirken Meetings, volle Postfächer und enge Deadlines nach der Rückkehr besonders belastend. In den kalten Monaten wird das häufig noch durch den Winterblues verstärkt, unter dem 60 % der Deutschen leiden.
Zu den häufigsten Auslösern für dieses Gefühl gehören:
Das Zurückfinden in die tägliche Routine.
Das Aufholen von Arbeitsrückständen.
Der Berg an ungelesenen E-Mails und Nachrichten.
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So erkennt man das „Post-Holiday-Syndrom“
Wer den ersten Arbeitstag nach dem Urlaub erlebt hat und sich plötzlich erschöpfter fühlt als vor der Abreise, kennt die typischen Anzeichen. Auch wenn es keinen offiziellen Symptomkatalog gibt, treten bestimmte Muster immer wieder auf.
Diese Symptome treten beim „Post-Holiday-Syndrom“ auf
Da es sich beim „Post-Holiday-Syndrom“ nicht um eine anerkannte Krankheit handelt, gibt es keine medizinisch definierte Diagnose. Trotzdem lassen sich klare Anzeichen beobachten, die viele Betroffene empfinden:
Schlafstörungen und unruhige Nächte
Müdigkeit, Trägheit und Energielosigkeit
Konzentrationsprobleme
Antriebs- und Interessenlosigkeit
Gereiztheit oder schlechte Laune
Im Extremfall kann sich das Stimmungstief sogar zu einer Post-Urlaub-Depression entwickeln, die mit sehr negativen Gedanken verbunden ist. Auch können Menschen, die bereits vor dem Urlaub depressiv waren, nach dem Urlaub ihre Depression verstärkter wahrnehmen. Beides ist aber deutlich seltener als das klassische „Post-Holiday-Syndrom“.
Wie lange dauert das „Post-Holiday-Syndrom“?
Die Dauer des „Post-Holiday-Syndroms“ ist unterschiedlich. In der Regel ist dieses Tief kurzfristig. Bei den meisten Menschen klingen die Symptome nach wenigen Tagen bis maximal ein bis zwei Wochen wieder ab. Hält das Gefühl deutlich länger an oder verstärkt sich, dann weist das eher auf grundsätzliche Stressprobleme oder gar eine echte Depression hin, die Betroffene untersuchen lassen sollten.
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6 Tipps für Führungskräfte gegen das „Post-Holiday-Syndrom“
Die ersten Arbeitstage nach einem Urlaub entscheiden darüber, wie schnell Mitarbeiter wieder in den Flow kommen oder ob das Stimmungstief nach dem Urlaub hängen bleibt. Mit ein paar einfachen Maßnahmen können Führungskräfte sie darin unterstützten.
Motivieren Sie Ihr Team grundsätzlich für einen langsamen Urlaubsein- und -ausstieg: Zum Beispiel indem man nicht am ersten Urlaubstag schon in den Flieger steigt und nach der Rückkehr noch einen Ruhetag zuhause einplant. Das hilft gegen das „Post-Holiday-Syndrom“.
Als Führungskraft können Sie weiterhin dabei unterstützen, indem sie keine großen Strategiemeetings in die Tage vor oder nach dem Urlaub setzen und in der ersten Arbeitswoche Raum und Zeit für eine entspannte Rückkehr lassen.
Echtes Interesse am Urlaub zu zeigen, wird häufig unterschätzt. Dabei ist das für viele Mitarbeiter wichtig und fördert den positiven Wiedereinstieg. Fragen Sie im ersten gemeinsamen Meeting einfach mal nach! „Wie war dein Urlaub?“, „Was hast du erlebt?“, „Hattest du eine schöne Zeit?“ – so geben Sie ihren Teammitglieder das Gefühl, dass sie Ihnen wichtig sind. Denn wir alle kennen es: Ein Urlaub ist ein sehr schönes, individuelles Erlebnis, das wir am liebsten mit anderen teilen wollen.
Nach ein oder zwei Wochen Abwesenheit ist der Wiedereinstieg oft chaotisch – und das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit für das „Post-Holiday-Syndrom“. Als Führungskraft können Sie dem entgegenwirken, indem Sie ein kurzes 1:1 oder Team-Update in 30 Minuten einplanen, am frühen Mittag des ersten Arbeitstages. Hier klären sie nur die wichtigsten Punkte:
„Wie war dein Urlaub?“ (Nicht vergessen!)
„Was hat sich während deiner Abwesenheit verändert?“ -> Nur ein grober Überblick, der nicht überfordert.
„Welche Themen haben jetzt Priorität?“ -> Formulieren Sie gemeinsam die Top-3-Prioritäten der ersten Tage.
„Welche Aufgaben können wir streichen oder verschieben?“ -> Nach dem Urlaub ist der Tisch meist randvoll; unterstützen Sie dabei, den Aufgabenstapel zu reduzieren.
„Was brauchst du heute, um gut reinzukommen?“ -> Ruhe? Mehr Updates? Sozialer Austausch? Jeder Mitarbeiter ist individuell und wünscht sich etwas anderes von der Führungskraft.
Gerade im September, wenn die Tage kürzer werden, wirkt Tageslicht wie Medizin gegen das „Post-Holiday-Syndrom“. Das kommt in den Herbst- und Wintermonaten viel zu kurz und drückt auf die Stimmung – gerade, wenn Ihre Mitarbeiter vor zwei Tagen im Urlaub noch die pralle Sonne in sich aufsogen. Auch sozialer Austausch hilft dabei, die Motivation höher zu halten.
Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter dabei durch kleine Rituale:
Walk-&-Talks am Vormittag – ab an die frische Luft und den Austausch nach draußen verlagern.
Gemeinsames Mittagessen – der richtige Rahmen für schöne Gespräche und gute Laune.
Coffee-Catchups – sich eine Tasse Kaffee oder Tee schnappen und einfach mal quatschen, am besten vor einem großen Fenster oder auf dem Balkon.
Sprechen Sie das Thema offen an: „Die erste Woche nach dem Urlaub fühlt sich für viele komisch an – das ist normal.“ Es ist erstaunlich, wie viel Verständnis für die Gefühle Ihre Mitarbeiter verändern kann. Auf diese Weise nehmen Sie den Druck raus und geben Ihrem Team die Sicherheit, dass volle Leistung nicht sofort erwartet wird.
3 Must-Do's für den ersten Tag nach dem Urlaub
Der erste Tag nach dem Urlaub Ihres Mitarbeiters steht an? Dann sollten Sie diese 3 Dinge auf keinen Fall vergessen:
Herzliche Begrüßung im Team- oder Slack-Channel
Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Entwicklungen
Motivation durch die Botschaft: „Du musst nicht sofort wieder 100 % geben.“
Richtig Urlaub machen: So vermeiden Sie den Urlaubsblues
Ob das „Post-Holiday-Syndrom“ nach dem Urlaub zuschlägt, hängt weniger von der reinen Dauer der Auszeit ab als von Qualität, Abstand zur Arbeit und einem guten Wiedereinstieg – wobei Führungskräfte (wie oben beschrieben) unterstützen können. Entscheidend ist vor allem die mentale Distanz: Wer im Urlaub permanent erreichbar bleibt und in Gedanken Projekte und Ideen weiterentwickelt, gibt dem Nervensystem keine echte Chance zur Erholung.
Experten empfehlen außerdem, mehrere kleinere Urlaube über das Jahr zu verteilen, statt alles auf einen einzigen langen Urlaub zu setzen. Mehrere Auszeiten von 4 bis 10 Tagen halten die Laune und das Wohlbefinden über das Jahr aufrecht und verhindern einen zu starken Kontrast zwischen Urlaub und Alltag.
„Zur effektiven Senkung des Stresslevels empfehlen sich mehrere kurze Urlaube pro Jahr. Dahinter steckt ein psychologisch wirksamer Mechanismus: die Antizipation. Schon vor der Reise steigert sich das Wohlbefinden, weil sich Menschen mit ihrem Urlaub beschäftigen. Dieses Planen macht uns wissenschaftlich bereits glücklich.“ (Prof. Dr. Nikolai Egold, Diplompsychologe)
Das Wichtigste in Kürze
Das „Post-Holiday-Syndrom“ oder auch „Urlaubsblues“ ist ein weit verbreitetes Stimmungstief, das nach dem Urlaub auftritt.
Die Symptome reichen von Müdigkeit und Konzentrationsproblemen bis hin zu Gereiztheit und im Extremfall zu depressiven Verstimmungen, die in der Regel wenige Tage bis Wochen anhalten.
Führungskräfte können ihre Mitarbeiter unterstützen, indem sie ihnen einen langsamen Start und ein kurzes Re-Onboarding anbieten, genauso wie soziale Rituale und offene Kommunikation.
Um das „Post-Holiday-Syndrom“ erfolgreich zu vermeiden, spielt auch die Urlaubsdauer eine Rolle: Experten empfehlen mehrere kürzere Urlaube über das Jahr verteilt anstelle eines langen Jahresurlaubs.