Frauengesundheit in Unternehmen: Auswirkungen, Zahlen und Lösungen
Expertin für Mitarbeitergesundheit & Employer Branding
“Mitarbeitergesundheit funktioniert dann am besten, wenn Unternehmen Hürden abbauen und Menschen echte Wahlmöglichkeiten geben.”
Mitarbeitergesundheit wird oft einheitlich gedacht. Doch die Realität sieht anders aus: Frauen erleben Gesundheit im Arbeitsalltag unterschiedlich als Männer, benötigen eine spezialisierte medizinische Versorgung und stehen aufgrund ihrer Biologie vor ganz anderen gesundheitlichen Herausforderungen, die im Unternehmen selten systematisch berücksichtigt werden. Das führt zu einem jährlichen wirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe – allein in Deutschland.
Ich bin Marina Meierhans, Expertin für Mitarbeitergesundheit und Employer Branding, und zeige Ihnen jetzt, was Frauengesundheit im beruflichen Kontext bedeutet, wo Versorgungslücken liegen und wie Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiterinnen durch einfache Maßnahmen stärken können.
Frauengesundheit kurz erklärt
Bevor wir über Auswirkungen, Zahlen und Maßnahmen sprechen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Grundlagen – und was Frauengesundheit eigentlich genau bedeutet.
Definition: Was ist Frauengesundheit?
Der Begriff Frauengesundheit beschreibt die biologischen, hormonellen und psychosozialen Faktoren, die sich spezifisch auf die Gesundheit von Frauen auswirken. Dazu zählen unter anderem der weibliche Hormonzyklus, Schwangerschaft, Wechseljahre sowie eine nachweislich höhere Prävalenz bestimmter psychischer und chronischer Erkrankungen.
Diese gesundheitlichen Aspekte stehen in enger Wechselwirkung mit Arbeitsbedingungen, Stressbelastung und organisationalen Rahmenbedingungen – und sind damit auch im beruflichen Kontext relevant.
Gesundheit ist nicht geschlechtsneutral
Die medizinischen Bedürfnisse von Männern und Frauen unterscheiden sich stark voneinander. So sind Frauen häufiger von einigen Krankheitsbildern betroffen als Männer (darunter psychische sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen), noch dazu herrscht in der Gesundheitsversorgung eine große Lücke: die „Gender Health Gap“.
Was ist die „Gender Health Gap“?
Falls Sie die „Gender Health Gap“ bis hierher noch nicht kannten, dann sind Sie nicht alleine: 7 von 10 Deutschen ist das Phänomen unbekannt, so eine Umfrage. Dabei ist es wesentlich, diesen Versorgungsfehler zu kennen – auch für Führungskräfte, HR- und BGM-Mitarbeiter.
Die „Gender Health Gap“ beschreibt den systematischen Unterschied in der medizinischen Versorgung und Gesundheitsforschung zwischen Männern und Frauen. Viele Studien, Diagnosekriterien und Therapien basieren historisch auf männlichen Körpern. Das hat zur Folge, dass Krankheiten bei Frauen häufig später erkannt, falsch behandelt oder nicht ernst genommen werden. Das führt zu Gesundheitsrisiken, längeren Leidenswegen und im Extremfall zu höherer Sterblichkeit.
Auch in betrieblichen Gesundheitsprogrammen wird Frauengesundheit häufig nicht als eigenständiger Schwerpunkt verstanden. Dabei bringen biologische und hormonelle Besonderheiten zusätzliche gesundheitliche Herausforderungen mit sich, die Arbeitgeber kennen, einordnen und gezielt integrieren sollten.
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Diese biologischen Besonderheiten prägen den Alltagsalltag von Frauen
Die meisten Gesundheitsprogramme und -initiativen in Unternehmen werden einheitlich für beide Geschlechter gestaltet. Verschiede hormonelle und biologische Faktoren von Frauen, von denen Männer nicht betroffen sind, wirken sich jedoch nicht nur auf ihr Privatleben, sondern auch auf ihren Job aus:
Menstruation: 67 % der deutschen Frauen leiden unter Menstruationsschmerzen, die zu (starkem) Unwohlsein und Produktivitätsverlusten im Job führen können (AOK).
Mutterschaft: Frauen mit Kinderwunsch stehen im Laufe ihres Lebens vor zahlreichen Herausforderungen – Beschwerden in der Schwangerschaft, Auswirkungen einer Fehlgeburt, unerfüllter Kinderwunsch oder Elternzeit sind einige der Aspekte, die gesundheitliche und organisatorische Folgen auf die Karriere haben können.
Menopause: Während der Wechseljahre fühlen sich die meisten Frauen in einer schlechteren körperlichen Verfassung und leiden unter Beschwerden. Jede dritte Frau fühlt sich durch die Menopause in ihrem Job beeinträchtigt (DAK).
Menopause: Ein blinder Fleck in Unternehmen
Die Menopause zählt dabei zu den am stärksten unterschätzten Themen der Frauengesundheit im Arbeitskontext. In vielen Unternehmen wird sie überhaupt nicht thematisiert, obwohl sich allein in Deutschland aktuell über 11 Millionen Frauen in den Wechseljahren befinden. Besonders problematisch ist das in Branchen mit hohem Frauenanteil – wie Bildung, Gesundheit oder Pflege.
„Die gesamte Gesellschaft wird älter, 2030 werden 1,2 Milliarden Frauen weltweit in den Wechseljahren sein. […] Wir können schon alleine aufgrund des bestehenden Fachkräftemangels auf die Expertise von Frauen nicht verzichten.“ (Arbeits- und Sozialmedizinerin Prof. Dr. Völter-Mahlknecht, Menopause@work-Leitfaden der Barmer).
Die Wechseljahre gehen häufig mit gesundheitlichen Beschwerden einher, die sich direkt auf den Arbeitsalltag auswirken können – die häufigsten Symptome reichen von körperlicher Erschöpfung bis depressiver Verstimmung. Insgesamt sind mehr als 30 unterschiedliche Symptome bekannt. Laut einer DAK-Umfrage leiden 86 % der menopausalen Frauen unter Beschwerden.
Vernachlässigte Frauengesundheit kostet Milliarden
Es wird deutlich, wieso Frauen nicht genauso behandelt werden dürfen wie Männer, wenn es um ihre Gesundheit geht. Aus der Unternehmensperspektive ist das jedoch nicht nur für die individuelle Mitarbeiterin wichtig, sondern birgt bei Vernachlässigung auch Kosten in Milliardenhöhe.
3 von 10 Frauen fühlen sich durch die Wechseljahre im Job beeinträchtigt, so eine DAK-Umfrage. Menopausale Beschwerden und Unwohlsein können sich auf diese Weise in Produktivitätsverlusten und erhöhten Fehlzeiten widerspiegeln – das führt in Deutschland jährlich zu 40 Mio. Fehltagen alleine durch Wechseljahresbeschwerden (Barmer). Die daraus entstehenden Kosten für die deutsche Volkswirtschaft liegen bei etwa 9,4 Mrd. Euro.
Auch die Menstruation, unter deren Beschwerden monatlich zahlreiche Frauen leiden, führt einer Studie der Kearney und WASH United zufolge in der EU zu einem Produktivitätsverlust von 107 Mrd. Euro.
Wie Unternehmen Frauengesundheit stärken können
Wenn Arbeitgeber Frauengesundheit gezielt fördern, profitieren nicht nur die Mitarbeiterinnen. Auch Unternehmen selbst gewinnen: weniger Fehlzeiten, geringere Produktivitätseinbußen und langfristig spürbar reduzierte Kosten.
7 praxisnahe Maßnahmen für mehr Frauengesundheit
Offene Kommunikation und die bewusste Enttabuisierung von Frauengesundheit bilden die zentrale Grundlage aller weiteren Maßnahmen. Nur wenn gesundheitliche Themen sichtbar und akzeptiert sind, können konkrete Angebote überhaupt wirken.
Die folgenden Maßnahmen orientieren sich teilweise am Menopause@work-Leitfaden der Barmer, der praxisnahe Empfehlungen von Experten bündelt.
Im Bereich Frauengesundheit herrscht viel Unwissen. Workshops, Seminare oder digitale Lernformate zu Zyklus, Menopause, mentaler Gesundheit oder chronischen Erkrankungen schaffen Orientierung für Mitarbeiterinnen. Auch können moderierte Austauschformate unter Frauen zu gezielten Themen unterstützend wirken.
Vorsorge, psychologische Unterstützung, Bewegung und Ernährung sind für Frauen insbesondere in Lebensphasen wie der Menopause wichtig – doch sie müssen niedrigschwellig erreichbar sein. Eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) kann genau das ermöglichen, indem sie schnelle Facharzttermine und präventive Leistungen zugänglich und bezahlbar macht.
Frauengesundheit sollte nicht als Einzelmaßnahme laufen, sondern fest im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) verankert sein. Das kann bedeuten, frauenspezifische Themen in bestehende EAP-Angebote zu integrieren, betriebsmedizinische Sprechstunden gezielt dafür zu öffnen und eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) als dauerhaften Zugang zu medizinischer Beratung und Prävention zu nutzen.
Entscheidend ist, dass diese Angebote Teil der regulären Gesundheitsstruktur sind und nicht als zeitlich begrenztes Sonderprojekt behandelt werden.
Gesundheit scheitert oft an banalen Dingen, die für Frauen jedoch entscheidend sein können. Klimatisierte Räume bei Hitzewallungen, Rückzugsorte bei Erschöpfung, ergonomische Arbeitsmittel sowie atmungsaktive Dienstkleidung oder jederzeit zugängliche Sanitäranlagen sind gerade in Phasen wie der Menopause Voraussetzungen, um arbeitsfähig zu bleiben.
Ohne Führung passiert nichts. Führungskräfte müssen gesundheitliche Themen ansprechen können, ohne zu pathologisieren oder zu bagatellisieren. Schulungen sollten konkrete Situationen abbilden: Leistungsabfall, Fehlzeiten, sensible Gespräche, flexible Lösungen.
Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice-Optionen können besonders bei zyklusbedingten Beschwerden, hormonellen Umstellungen oder in den Wechseljahren entscheidend zur Leistungsfähigkeit und dem Wohlbefinden beitragen.
Ernährung beeinflusst Energie, Konzentration und hormonelles Gleichgewicht. Angepasste Kantinenangebote, nährstoffreiche Snacks oder Informationen zu zyklus- und lebensphasengerechter Ernährung können an dieser Stelle wichtige Maßnahmen sein.
Die genannten Beispiele können von Unternehmen jeder Größe umgesetzt werden – auch bei geringerem Budget in kleinen Unternehmen.
„Gerade kleine Unternehmen haben oft den Vorteil kurzer Entscheidungswege und engerer persönlicher Beziehungen. […] Maßnahmen wie flexiblere Arbeitszeiten, die Möglichkeit für Homeoffice oder der Zugang zu Beratungsmöglichkeiten, etwa durch externe Betriebsärztinnen und -ärzte, können oft auch in kleinen Unternehmen umgesetzt werden und können viel bewirken.“ (Arbeits- und Sozialmedizinerin Prof. Dr. Völter-Mahlknecht, Menopause@work-Leitfaden der Barmer).
Tipp: So gelingt Frauengesundheit in Ihrem Unternehmen
Eine gelebte Frauengesundheit funktioniert nicht von heute auf morgen – doch der Aufwand lohnt sich für Mitarbeiter wie Arbeitgeber.
Wenn die körperliche Leistungsfähigkeit nachlässt, geraten viele Frauen unter erheblichen Druck. Verstärkt wird dies häufig durch eine Doppelbelastung aus Erwerbs- und Care-Arbeit, die noch immer überwiegend von Frauen übernommen wird.
Eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) kann hier gezielt entlasten, z. B. durch EAP-Leistungen wie Beratung und Unterstützung bei der Angehörigenpflege, und schafft so Freiräume für Regeneration und die eigene Gesundheit. Ergänzend helfen Coachings oder psychotherapeutische Angebote im Rahmen der bKV, Veränderungen einzuordnen, handlungsfähig zu bleiben und mit neuen Anforderungen konstruktiv umzugehen.
Das Wichtigste in Kürze
Frauengesundheit umfasst biologische, hormonelle und psychosoziale Faktoren, die sich messbar auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Arbeitsalltag von Frauen auswirken – deshalb benötigen Mitarbeiterinnen in Unternehmen gezielte Gesundheitsangebote.
Vernachlässigte Frauengesundheit verursacht erhebliche wirtschaftliche Schäden und kostet Unternehmen und Volkswirtschaft jährlich Milliarden.
Unternehmen können gezielt gegensteuern: durch Wissen, Enttabuisierung, angepasste Arbeitsbedingungen, befähigte Führungskräfte und flexible Arbeitsmodelle.
Eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist ein wirkungsvolles Instrument, um Prävention, medizinische Versorgung und Unterstützung niedrigschwellig zugänglich zu machen.